TIT-FOR-TAT AUF PUMP

Wieder Tit-for-Tat im Nahen Osten. Wieder Raketen, wieder Drohungen, wieder die Frage, wie weit sich das hochschaukelt. Und trotzdem: Der Markt zuckt kaum. Warum eigentlich? Meine These: Nicht militärische Zurückhaltung begrenzt Trump, sondern fiskalische Zwänge.

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Man kennt das Muster mittlerweile. Ein Schlag, ein Gegenschlag, eine Drohung, eine Geste der Deeskalation – und am Ende zieht sich alles wieder etwas zurück vom Abgrund. Die Iran-Krise folgt diesem Rhythmus seit Wochen. Wer die Nachrichtenlage verfolgt, könnte meinen, wir stünden kurz vor einer echten Eskalationsspirale.

Zumindest deutet die Marktreaktion auf etwas anderes hin. Der Ölpreis bleibt vergleichsweise stabil, die Aktienmärkte gelassen, die Volatilität tief. Entweder irrt sich der Markt – oder er hat verstanden, was ich für den eigentlichen Schlüssel halte: Trump hat gar keinen Spielraum für eine echte Eskalation. Nicht weil er es nicht wollen würde, sondern weil er sie sich fiskalisch kaum leisten kann.

Der Transmissionsriemen heisst Inflation

Eine Eskalation im Nahen Osten verteuert Energie. Höhere Energiepreise erhöhen den Inflationsdruck. Höhere Inflation erschwert Zinssenkungen oder kann sogar steigende Zinsen nach sich ziehen. Genau dort liegt heute die Achillesferse der USA: ihre hohe Verschuldung.

Das ist keine abstrakte Grösse. Es ist Arithmetik – und sie ist unbequem.

Die Rechnung, die niemand im Weissen Haus laut vorlesen möchte

In den nächsten zwölf Monaten muss das US-Treasury rund 8 Billionen Dollar an auslaufenden Staatsanleihen refinanzieren. Der durchschnittliche Zinssatz auf diesen Schulden liegt bei etwa 3.3 Prozent. Die aktuelle Rendite einjähriger Treasuries liegt bei rund 4 Prozent.

Allein diese Refinanzierung würde die jährlichen Zinskosten um grob 50 Milliarden Dollar erhöhen. Und das, bevor man überhaupt die Zinsen auf das laufende Budgetdefizit von rund 2 Billionen Dollar pro Jahr mitrechnet.

Hinzu kommt: Höhere langfristige Zinsen treffen nicht nur den Staat. Sie verteuern Hypotheken, Unternehmenskredite und Investitionen – genau das Gegenteil dessen, was Trump mit seiner wirtschaftspolitischen Agenda erreichen möchte.

Man muss kein Ökonom sein, um zu erkennen: Das ist kein Umfeld, in dem man sich zusätzliche Inflationsschocks wünscht.

Warum 2026 nicht 1981 ist

Hier lohnt sich der Blick zurück, weil er zeigt, wie sehr sich die fiskalische Ausgangslage verändert hat. Als der legendäre Fed-Präsident Paul Volcker die Zinsen Anfang der Achtzigerjahre in den zweistelligen Bereich trieb, um die Inflation zu killen, tat er das nach Jahren hoher Inflation – Jahre, die die reale Schuldenlast der USA bereits kräftig reduziert hatten. Zudem lag die Staatsverschuldung gemessen am BIP damals deutlich tiefer als heute. Volcker konnte hart durchgreifen, weil die fiskalische Ausgangslage dies zuliess.

Heute ist die Situation umgekehrt. Der Schuldenberg ist historisch hoch, nicht historisch klein. Jeder zusätzliche Prozentpunkt bei den Zinsen belastet den Bundeshaushalt heute deutlich stärker als vor vierzig Jahren. Die fiskalischen Folgen hoher Zinsen bilden damit einen wesentlich wichtigeren wirtschaftlichen Rahmen als damals.

Was das für den Irankrieg bedeutet

Genau hier schliesst sich der Kreis. Eine echte Eskalation würde Öl- und Energiepreise treiben, die Inflation anheizen und damit den Druck auf die Zinsen erhöhen – in einem Moment, in dem sich die USA höhere Zinsen so wenig leisten können wie selten zuvor.

Nicht fehlender militärischer Wille dürfte Trump bremsen, sondern die fiskalischen Kosten einer anhaltenden Inflationswelle. Säbelrasseln ja, Rechnung zahlen nein.

Der Markt scheint genau darauf zu setzen. Vielleicht liegt er falsch. Aber die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass die eigentliche Grenze der Eskalation nicht in Teheran gezogen wird, sondern im US-Schuldendienst.

Dumm nur: Zum Tango braucht es immer zwei (oder im Irankrieg sogar mindestens drei). Der Ausweg ist daher nicht so einfach. 

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