TOURISMUSSOMMER 2026: BERGE STATT STÄDTE

Der Schweizer Tourismussommer 2026 zeigt ein gespaltenes Bild: Die angespannte Lage im Nahen Osten bremst die Nachfrage aus wichtigen Fernmärkten. Gleichzeitig sorgt die sommerliche Hitze für eine Verlagerung der inländischen Nachfrage in die Berge. Eine Bilanz der Gewinner und Verlierer.

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Was der Iran-Krieg für den Schweizer Tourismus bedeutet

Seit dem Ausbruch des Konflikts zwischen Israel und Iran wird der iranische Luftraum grossräumig gemieden. Auch Flüge über die Golfstaaten sind teilweise von Umleitungen und Verspätungen betroffen. Für Reisende aus Asien und dem Nahen Osten bedeutet dies zusätzliche Unsicherheit auf einer Reiseroute, die ohnehin länger und teurer geworden ist.

Diese Zurückhaltung zeigt sich auch in den Zahlen. Seit März fehlen aus den Golfstaaten rund 60’000 Logiernächte, aus Asien rund 275’000. Zusammengenommen entspricht dies einem Rückgang von rund 335’000 Logiernächten oder rund 0.8 Prozent aller Übernachtungen, die in der Schweiz innerhalb eines Jahres gezählt werden.

Auf den ersten Blick erscheint dieser Rückgang überschaubar. Für die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus ist die Zahl der Logiernächte allein jedoch nur bedingt aussagekräftig. Gäste aus diesen Märkten geben überdurchschnittlich viel aus, etwa für hochwertige Hotels, Gastronomie oder Shopping. Ihre durchschnittlichen Tagesausgaben liegen rund doppelt so hoch wie jene eines durchschnittlichen Touristen. Der Rückgang bei den Logiernächten dürfte deshalb einen deutlich grösseren Effekt auf den touristischen Umsatz haben, als die 0.8 Prozent zunächst vermuten lassen.

Ein kleiner Lichtblick zeigt sich im Juli. Der Rückgang bei den asiatischen Gästen fiel geringer aus als in den Monaten zuvor. Von einer Entwarnung kann allerdings noch nicht gesprochen werden. Die Entwicklung war über die einzelnen Monate hinweg sehr volatil.

Zwar verkehren inzwischen wieder mehr Flüge über die Golfstaaten, die Unsicherheit bleibt jedoch hoch. Eine rasche Lösung des Konflikts ist zudem nicht absehbar. Für den Schweizer Tourismus ist dabei besonders relevant, dass Fernreisen in der Regel mit einem längeren Planungshorizont verbunden sind. Selbst wenn sich die politische Lage kurzfristig entspannen sollte, dürfte sich die aktuelle Zurückhaltung deshalb noch eine gewisse Zeit in den Buchungszahlen bemerkbar machen.

Die Hitzewelle zeigt sich auch bei den Logiernächten

Erfreulicher präsentiert sich die Entwicklung bei den Schweizer Gästen. Im Juli nahmen ihre Übernachtungen um 3.9 Prozent zu. Interessant ist dabei vor allem, wo dieses Wachstum stattfand.

Während die Übernachtungen von Schweizer Gästen in den Städten und im übrigen Land zurückgingen, legten sie in den alpinen Regionen um 8.8 Prozent zu. Das entspricht rund 100’000 zusätzlichen Logiernächten allein in den Bergen.

Auch der Blick auf die einzelnen Gemeinden bestätigt dieses Muster. Unter den acht Gemeinden mit dem stärksten absoluten Zuwachs liegt keine einzige auf weniger als 1’000 Metern über Meer. Noch deutlicher wird der Zusammenhang bei einer Betrachtung nach Höhenlage: Je höher eine Region liegt, desto stärker fiel im Juli das Wachstum bei den Schweizer Gästen aus.


Wachstum der Logiernächte von Schweizer Gästen im Juli nach Höhenlage


Die naheliegende Erklärung ist der aussergewöhnliche Hitzesommer. Für viele Schweizer wurden die Berge damit kurzfristig zum Ausweichziel vor der Hitze im Unterland. Wo eine Reise in die Höhe vergleichsweise einfach möglich ist, konnte die Nachfrage entsprechend schnell reagieren.

Bei den ausländischen Gästen fällt dieses Muster deutlich schwächer aus. Auch das ist plausibel. Internationale Gäste planen ihre Ferien in der Regel länger im Voraus und können deshalb weniger spontan auf eine Hitzewelle reagieren. Ein ähnliches Verhalten zeigt sich am ehesten noch bei deutschen und niederländischen Gästen. Auch sie wichen überdurchschnittlich stark in die Alpen aus und verzeichneten dort ein deutlich stärkeres Wachstum als in den Städten.

Städte sind doppelt betroffen

Die Schweizer Städte, die in den vergangenen Jahren einen wesentlichen Teil des touristischen Wachstums getragen haben, sind von der aktuellen Entwicklung gleich doppelt betroffen.


Wachstum der gesamten Logiernächte nach Region


Zum einen sind sie stärker von Gästen aus den Fernmärkten abhängig als die übrigen Regionen. Fast 30 Prozent der städtischen Logiernächte entfallen auf diese Märkte, in den Alpen sind es rund 19 Prozent. Der Nachfrageausfall aus Asien und den Golfstaaten trifft die Städte damit überproportional.

Zum anderen setzt ihnen die sommerliche Hitze zu. Während die alpinen Destinationen von den hohen Temperaturen profitieren konnten, sind Städte als Ferienziel weniger attraktiv, wenn die Temperaturen im Unterland über längere Zeit sehr hoch sind. Der Schweizer Gast, der kurzfristig ausweichen kann, fährt in die Berge. Der internationale Gast, der seine Reise Monate im Voraus geplant hat, kann dagegen kaum reagieren.

Die Städte stehen somit zwischen zwei Nachfrageschocks: Einerseits fehlen Gäste aus wichtigen Fernmärkten, andererseits verlagert sich aufgrund der Hitze ein Teil der inländischen Nachfrage in höher gelegene Regionen. Damit sind die Städte die bisherigen Verlierer des Tourismussommers 2026.

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