MIETER MIKADO

Zugegeben, das ist ein etwas spezieller Blog: Ich bin umgezogen, eigentlich eine persönliche Handlung. Doch meine Gedanken dazu durch die Ökonomen-Brille.

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Der Schweizer Mietmarkt belohnt Trägheit. Es ist wie beim Mikado; wer sich bewegt, verliert. Bestandesmieten liegen oft deutlich unter Neuvertragsmieten. Ein Umzug wird somit meist zur Verteuerung. Mobilität wird sanktioniert.

Das hat Folgen: Volkswirtschaftlich ist es ineffizient, wenn Arbeitskräfte bleiben, wo sie sind, auch wenn anderswo bessere Matches existieren. Wohnungen werden nicht entlang der Lebensphasen genutzt, sondern entlang historischer Zufälle. Zu gross, zu klein, zu weit weg – aber zahlbar. Die Allokation passt nicht mehr, bleibt aber bestehen. Starrheit ersetzt Effizienz.

Die Trägheit ist systeminhärent: Wer eine günstige Wohnung hat, hält sie. Die Differenz der Marktmiete zur Bestandesmiete ist eine implizite Rente, gebunden an den Verbleib. Jeder Umzug zerstört diese Rente. Rational ist, sie zu behalten. Der Markt konserviert sich selbst.

Gleichzeitig wirkt die Oberfläche dynamisch: Die Immobiliensuche ist scheinbar optimiert. Es gibt zahlreiche Plattformen, Inserate, Algorithmen. Aber die eigentliche Zuteilung läuft oft anders. Unter der Hand. Beziehungen statt Preise. Wer vernetzt ist, bewegt sich leichter – innerhalb eines starren Systems. Wir hatten Glück und haben unter der Hand etwas gefunden. Wer vernetzt ist, hat Vorteile in der Region. Sozialer Kitt steht gegen Offenheit.

Gute Objekte zirkulieren in geschlossenen Kreisen. Was sichtbar ist, ist nicht repräsentativ. Der Markt zeigt Bewegung, organisiert aber Verbleib.

Der Umzug selbst ist mikroökonomische Effizienz im Kleinen. Entrümpeln, neu zuordnen, Grenznutzen prüfen. Gleichzeitig ist es harte körperliche Arbeit. Der Büromensch merkt schnell, wie abhängig er ist von denen, die anpacken. Arbeitsteilung ist keine Theorie. Und beim Umziehen zeigen sich Vorteile der Globalisierung. Ohne Zuwanderung wäre ich recht alleine dagestanden.

Auch das Mietrecht wirkt in Richtung Starrheit. Formal sind viele Ansprüche möglich. Faktisch dominieren Kosten und Unsicherheit der Durchsetzung. Streit ist selten optimal. Man weicht aus. Die Option «bleiben» wird zusätzlich gestärkt. Recht existiert, aber die Nutzung ist teuer.

Das Resultat ist ein Markt, der Stabilität über Beweglichkeit stellt. Starrheit ist kein Nebeneffekt, sondern das Gleichgewicht. Die Kosten tragen nicht einzelne sichtbar, sondern viele implizit: geringere Mobilität, schlechtere Matches, ineffiziente Nutzung des Bestands.

Umziehen zeigt das im Kleinen. Ein einzelner Entscheid macht sichtbar, was makroökonomisch wirkt: Ein Markt, der Bewegung braucht – und sie gleichzeitig bestraft.

Aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel: Wir sind happy und froh, das Wagnis eingegangen zu sein.

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