INSTITUTIONEN ALS STANDORTFAKTOR: TIEFE STEUERN, GUTE LEISTUNGEN, SOLIDE FINANZEN

Im Rahmen einer Finanzstrategie müssen Kantone einen tragfähigen Kompromiss zwischen attraktiven Steuern, staatlichen Leistungen und einem gesunden Finanzhaushalt ausloten. Die Schweizer Kantone sind dabei besser aufgestellt als die meisten internationalen Standorte.

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Im globalen Standortwettbewerb zählen viele Faktoren – von Verfügbarkeit hochqualifizierter Fachkräfte, Qualität des Innovations-Ökosystems, politische Stabilität, Zugang zu Märken, regulatorische Verlässlichkeit, Infrastruktur, Erreichbarkeit bis zu Lebensqualität. Den Steuern kommt im Standortwettbewerb ein zentrale Bedeutung zu. Sie sind der einzige Faktor, der unmittelbar und quantifizierbar auf die Rendite von Unternehmen wirkt. Sie beeinflussen die Rentabilität von Investitionen, die Allokation von Funktionen innerhalb eines Konzerns, die Ansiedlung von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sowie die Attraktivität eines Standorts für hochqualifizierte Arbeitskräfte. Steuerliche Rahmenbedingungen wirken somit direkt auf Kapital- und Humankapitalentscheidungen der Unternehmen.

Unternehmenssteuern: Schweizer Kantone sehr attraktiv

Bei den Unternehmenssteuern ist international kaum ein Standort so attraktiv wie die Schweiz. Das zeigt der BAK Taxation Index (BTI*), den wir in enger Kooperation mit dem ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erstellen. Methodisch setzen wir beim BTI an der effektiven Belastung einer Investition in Realkapital an. Neben verschiedenen Steuerarten auf Unternehmensebene werden auch Unterschiede bei den Regelungen zur Bestimmung der Bemessungsgrundlage berücksichtigt. Wir zeigen also den effektiven Einfluss der Steuern auf die Rentabilität von Investitionen auf.

Gemäss BAK Taxation Index 2025 liegt die durchschnittliche effektive Steuerbelastung für Unternehmen in den Schweizer Kantonen rund 10 Prozentpunkte tiefer als im internationalen Durchschnitt wichtiger Industrieländer. Die Zentralschweizer Kantone stehen an der Spitze des interkantonalen Steuerwettbewerbs. Kantone mit grösseren Städten tendieren zu einer höheren Besteuerung.

Steuerliche Attraktivität für Innovationsaktivitäten von zentraler Bedeutung

Die globale Wirtschaft wird zunehmend wissens- und forschungsintensiv. Dank der Schutzrechte geistigen Eigentums fliesst heute immer noch ein bedeutender Anteil der global erwirtschafteten Einkommen in die etablierten Industrieländer. Wertschöpfung entsteht immer stärker durch Patente, Forschung und Entwicklung, Humankapital und immaterielle Vermögenswerte. 

Die Innovationskraft von Unternehmen ist das Herzstück für die Wettbewerbsfähigkeit hochentwickelter Industrieländer. Deshalb spielen neben den ordentlichen Gewinnsteuertarifen steuerpolitische Instrumente wie Patentboxen oder zusätzliche F&E-Abzüge eine sehr wichtige Rolle im Steuerwettbewerb.

Auch die Schweiz hat ein innovationsfreundliches Steuersystem. Je nach Forschungsintensität profitieren Unternehmen von einer durchschnittlichen Entlastung von 1.4-4.5 Prozentpunkte. Besonders in den Hochsteuerkantonen profitieren forschungsintensive Unternehmen bei einer umfassenden Nutzung der FuE-Instrumente. Die für innovationsintensive Unternehmen steuerlich attraktivsten Kantone liegen in der Zentral- und Ostschweiz.

OECD-Mindeststeuer verschiebt die Statik des Steuerwettbewerbs

Die OECD-Mindeststeuer verfolgt das Ziel, dass grosse Unternehmen ab einem Umsatz von 750 Mio. Franken in jedem Land einen Mindeststeuersatz von 15% entrichten. Die Schweiz gehört zu jenen Ländern, welche die OECD-Reform bereits umgesetzt haben. Liegt die Steuerbelastung der betroffenen Unternehmen unterhalb 15 Prozent, wird eine Ergänzungssteuer erhoben. Die Einnahmen werden zwischen den erhebenden Kantonen (75%) und dem Bund (25%) aufgeteilt.

Die OECD-Reform führt zwar tendenziell zu einer Nivellierung der nominalen Gewinnsteuersätze, doch der Steuerwettbewerb wird deshalb nicht ganz ausgehebelt. Den Kantonen verbleibt weiterhin ein gewisser steuerpolitischer Gestaltungsspielraum, etwa über die Ausgestaltung der Bemessungsgrundlage, Substanzabzüge oder ergänzende Instrumente. Zum fiskalischen Gestaltungsspielraum der Schweizer Kantone gehört auch, mit den Einnahmen aus der Ergänzungssteuer standortpolitische Massnahmen finanzieren zu können.

Experten erwarten zudem, dass sich mit der OECD-Mindeststeuer der Steuerwettbewerb teilweise auf die Besteuerung von hoch qualifizierten Arbeitskräften verlagern wird. Weil die Mindeststeuer die Spielräume bei Unternehmenssteuersätzen reduziert, gewinnt die Besteuerung natürlicher Personen strategisch an Gewicht. Der Fokus liegt dabei auf der Besteuerung von hochqualifizierten Fach- und Spitzenkräften.

Besteuerung hochqualifizierter Fach- und Spitzenkräfte gewinnt an Bedeutung

Fachkräfte und Spitzenforschende sind gesucht, und der internationale Wettbewerb um diese Fachleute sowie deren Mobilität führt dazu, dass sich deren Gehälter international annähern, und zwar nach Steuern. Bei international mobilen Spitzenkräften orientieren sich die Löhne dabei an globalen Referenzmärkten – ähnlich wie bei den Gehältern von Spitzenfussballern wie Messi, Ronaldo oder Mbappe. 

Zwar relativieren nicht nur Einkommenssteuern, sondern auch Kaufkraftunterschiede den Einkommensvergleich. Allerdings wird bei Fachkräften mit hohem Einkommen ein erheblicher Teil nicht konsumiert, sondern gespart und investiert. In diesem Umfeld bleibt die steuerliche Netto-Brutto-Relation ein zentraler Kostenfaktor – auch unter Berücksichtigung von Kaufkraftunterschieden. 

Für Unternehmen bedeutet das: Um international konkurrenzfähig zu sein, müssen sie vergleichbare Nettoeinkommen garantieren. Die Steuer- und Abgabenbelastung entscheidet darüber, wie hoch die Beschäftigungskosten ausfallen.

Hier zeigt sich eine klare Stärke der Schweiz: Um einer Spitzenkraft das gleiche Nettogehalt zu garantieren, müssen Unternehmen in der Schweiz ein deutlich niedrigeres Bruttoeinkommen bezahlen als in anderen europäischen Ländern, den USA oder in China. Im (gewichteten) Durchschnitt liegt die Steuer- und Abgabenbelastung in der Schweiz 2025 für einen Mitarbeitenden mit einem Nettoverdienst von 100’000 EUR (zu Preisen von 2010) fast ein Viertel tiefer als im internationalen Durchschnitt (BTI 2025). Neben den Einkommenssteuern werden in unserer Analyse auch die Lohnnebenkosten mit Steuercharakter auf der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite in den Berechnungen berücksichtigt.

Alle 26 Schweizer Kantone liegen unter dem internationalen Durchschnitt. Besonders Zentralschweizer Kantone gehören international zu den attraktivsten Standorten. Wie der BAK Taxation Index (BTI) zeigt, haben die Schweizer Kantone zwischen 2023 und 2025 ihre steuerliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber internationalen Konkurrenzstandorten weiter gefestigt. Die hohe steuerliche Attraktivität für höhere Einkommen stärkt die Unternehmen hierzulande im internationalen Wettbewerb um hoch qualifizierte Fachkräfte.

Schweizer Trumpf: Interkantonaler Wettbewerb und Ausgabendisziplin 

Die dauerhaft hohe steuerliche Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz ist eng mit ihrer institutionellen Architektur verbunden. Der Föderalismus ermöglicht Steuerwettbewerb zwischen den Kantonen, während Schuldenbremsen Haushaltsdisziplin sicherstellen. Tiefe Steuern und solide Finanzen sind somit zwei Seiten derselben Medaille.

Während viele europäische Länder mit zunehmenden Belastungen ihrer Staatshaushalte konfrontiert sind und ihre Primärsalden deutlich verbessern müssen, um das Maastricht-Kriterium von 60% Bruttoschuldenquote langfristig zu erreichen, verfügen die Schweizer Kantone insgesamt über nachhaltige Finanzhaushalte. Gemäss unserer Analyse weist keiner der 26 Kantone eine langfristige Fiskallücke auf. Sie sind im internationalen Vergleich steuerlich sehr wettbewerbsfähig und haben gleichzeitig eine solide Ausgangsbasis für die Finanzierung künftiger Herausforderungen. Diese fiskalische Nachhaltigkeit ist eine strukturelle Stärke der Schweiz und ein oft unterschätzter Standortvorteil.

Finanzstrategie sorgt für das Austarieren wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Präferenzen

Steuern sind nicht der einzige Standortfaktor. Aber sie sind insbesondere im Bereich der international mobilen Firmen ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Aus standortpolitischer Perspektive entsteht dadurch die Herausforderung, ein attraktives steuerliches Umfeld zu schaffen und gleichzeitig Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Innovation nicht zu vernachlässigen. Gute staatliche Leistungen für eine breite Bevölkerungsschicht sind für die Schaffung politischer Mehrheiten häufig wichtiger als ein attraktives Umfeld für Unternehmen. Im Rahmen ihrer Finanzstrategien müssen sie einen tragfähigen Kompromiss zwischen Steuerattraktivität, staatlichen Leistungen und einem gesunden Finanzhaushalt ausloten. Gerade der letzte Punkt ist sehr wichtig, wenn die Strategie langfristig erfolgreich sein soll.

* Vgl. BAK Taxation Index

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