Mein Beitrag: die Economy. Nix mit Emotionen. Wobei das eigentlich nicht mehr stimmt.
Lange war das Selbstbild der Ökonomen das folgende: möglichst rational. Möglichst präzise. Möglichst emotionslos. Der ideale Ökonom sass irgendwo in einer staubigen Stube vor einer Excel-Tabelle und erklärte der Welt, warum alles eigentlich logisch sei.
Das Problem ist nur: Die Welt hält sich nicht mehr an die Logik der Modelle.
Trump liest keine volkswirtschaftlichen Lehrbücher. Kriege reagieren nicht auf Zinserhöhungen. Und Konsumentenvertrauen kann heute durch einen Tweet stärker beeinflusst werden als durch eine Zinssenkung um 25 Basispunkte.
Genau deshalb las sich mein Titelslide des Referats eher wie eine Menukarte als wie eine klassische Konjunkturpräsentation.
- TACO
- NACHOS
- Spaghetti
- Und am Schluss: Fondue
Beginnen wir mit TACO
TACO steht an den Finanzmärkten für «Trump Always Chickens Out». Also die Wette der Märkte darauf, dass Trump zwar maximal eskaliert, am Ende aber doch nicht alles umsetzt.
Die Märkte reagieren mittlerweile fast schon gelassen auf seine Ankündigungen. Und das ist mit ein Grund, warum die globalen Wachstumsaussichten vergleichsweise intakt sind. Die Weltwirtschaft wächst. Nicht euphorisch und weit unter ihrem Potenzial, insbesondere jenem durch KI. Aber doch stabil mit 2.4% bis 3%. Das ist die Prognose.
Damit zu den NACHOS
NACHOS stand in meinem Vortrag für: «Not A Chance Hormus Opens Soon». Etwas provokativ formuliert. Aber auch dieses Szenario ist nicht unrealistisch. Wir müssen uns also die Frage stellen: «Was wäre wenn?»
- Was passiert, wenn die Strasse von Hormus dauerhaft geschlossen bleibt?
- Was passiert bei einem Ölpreis von 150 Dollar?
- Was passiert mit Inflation, Konsum und Investitionen?
- Was passiert mit Lieferketten?
Im Vortrag zeigte ich genau dieses Szenario, welches zu einer Rezession in der Schweiz führen würde und das Konsumwachstum unter 1% fallen liesse.
Gute Prognostiker versuchen heute weniger, die Zukunft exakt vorherzusagen. Gute Prognostiker überlegen sich vielmehr, welche Entwicklungen plausibel sind und wie Unternehmen darauf reagieren können. Ökonomen arbeiten deshalb immer stärker wie Segler: Nicht die exakte Windrichtung ist entscheidend. Sondern die Fähigkeit, sich schnell auf Windwechsel einzustellen.
Dann die Spaghetti
Denn der Blick auf die aktuellen Konjunkturindikatoren gleicht derzeit einem Teller Spaghetti: Jeder zieht sich jene Argumente heraus, die zur eigenen Sicht passen.
Die einen sehen Deflation:
- China exportiert Überkapazitäten
- KI erhöht Produktivität
- Die Nachfrage bleibt schwach
- Der globale Wettbewerb steigt
- Demografie
Die anderen sehen Inflation:
- Deglobalisierung
- Aufrüstung
- Arbeitskräftemangel
- Geopolitische Risiken
- Fragile Lieferketten
Und beide Seiten haben gute Argumente.
Genau das war ein weiterer zentraler Punkt meines Vortrags: Die klassischen wirtschaftlichen Zusammenhänge funktionieren weniger stabil als früher. Inflation und Wachstum reagieren heute stärker auf politische Risiken, geopolitische Konflikte und Unsicherheit.
Mitten in diesem Umfeld steht der Schweizer Detailhandel.
Unsere Prognosen zeigen ein gemischtes Bild:
Food bleibt relativ robust. Gegessen wird immer. Zudem stabilisieren Bevölkerungswachstum und defensive Konsummuster die Nachfrage. Doch Nahrungsmittel sind im Grunde Diesel und Dünger. Und beides wurde teurer. So werden auch die Preise steigen.
Bekleidung und Schuhe bleiben hingegen unter Druck. Onlinehandel und internationale Konkurrenz drücken weiterhin auf Margen und Nachfrage.
Und der restliche Non-Food-Bereich leidet gleichzeitig unter schwacher Nachfrage, Onlinekonkurrenz und globalem Wettbewerbsdruck sowie einer Sättigung aus dem Jahr 2025. Teilweise kommt zusätzlich eine eigentliche China-Schwemme dazu.
Deshalb endete mein Vortrag auch mit vier konkreten Gedanken an den Detailhandel:
Erstens: Sichere Prognosen suchen
Nicht alles ist unsicher. Die Schweiz bleibt Tiefzinsland. Der Franken bleibt sicherer Hafen. Die Inflation bleibt strukturell tiefer als im Ausland. Es gibt weiterhin stabile Anker in einer instabilen Welt.
Zweitens: Auf Zentralbanken hören
Die SNB toleriert keine zu rasche Aufwertung des CHF, also wird die auch nicht eintreten. Zumal die Zinserhöhungserwartungen bezüglich EZB der SNB helfen, den CHF nicht zu rasch erstarken zu lassen.
Drittens: In Szenarien denken
Gute Unternehmen planen nicht nur für den Basisfall. Sie überlegen sich auch, was bei Ölpreisschocks, Lieferkettenproblemen oder geopolitischen Eskalationen passiert. Robustheit wird wichtiger als Perfektion.
Und viertens: Über den Tellerrand schauen
China, KI, Geopolitik, Rohstoffe und Demografie sind heute keine abstrakten Makrothemen mehr. Sie stehen mitten im Einkaufszentrum.
Und die Schweizer Antwort auf dieses globale Menü?
Fondue!
Fiskalpolitik, Offenheit, Nischen, Duale Bildung, Unternehmertum, Exportorientierung.
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