Segeln. Ich habe gelernt: Nur schlechte Segler behaupten zu wissen, wie sich der Wind verändern wird. Gute sind demütig. Man kann den Wind nicht anpassen, nur die Segel. Wind sieht man nicht, nur seine Auswirkungen. Entscheidend ist die laufende Frage: Was wäre, wenn? Wenn er stärker wird, wenn er dreht – wo habe ich relativ einen Vorteil? Und wie erkenne ich es früher als die anderen?
Surfen. Mache ich derzeit in den Ferien in San Sebastian mit der Familie. Für mich ein neuer Sport mit entsprechend viel Lernkurve. Auffällig: Die Locals und Guides wissen sehr genau, was unberechenbar ist und was nicht. Sets, Strömungen, Brüche. Sie arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten, nicht mit Gewissheiten.
Skitouren. Der Lawinenlagebericht für Laien: grün, gelb, rot. Grün sicher, rot unsicher, gelb dazwischen – oft der grösste Spass, aber mit Risiko. Entscheidend ist die permanente Einschätzung: Was passiert, wenn sich die Annahme als falsch erweist?
Darum geht es auch bei Prognosen. Abschätzung von Wahrscheinlichkeiten und deren Auswirkungen. Man ist dann gut – und bleibt es –, wenn man weiss, was man nicht weiss.
Eine Prognose ist nichts anderes als das wahrscheinlichste Szenario.
Bei BAK Economics quantifizieren wir genau das: Auswirkungen von Szenarien. Ölpreis hoch – was passiert mit der Wirtschaft? Regulierung straffer – was passiert mit Kreditkosten, Verfügbarkeit, Investitionen?
Womit wir beim aktuellen Thema sind. Die Emotionalität in der Debatte zur Regulierung von UBS erstaunt. Ebenso die Reaktionen auf unsere Studie. Sie zeigt mathematisch auf, was in definierten Szenarien passiert. Mit möglichst realistischen Annahmen. Mehr nicht.
Wir wissen nicht, wie ein einzelnes Unternehmen, in Falle unserer Analyse die UBS, auf höhere Kosten reagiert. Und behaupten es auch nicht zu wissen. Also können wir nur Szenarien durchspielen. Welche davon eintreten, ist nicht unsere Domäne. Wir wissen, was wir nicht wissen.
Was wir wissen: Regulierung kostet. Und Kosten werden dort überwälzt, wo die Zahlungsbereitschaft am unelastischsten ist. Nicht nach Verursacherprinzip oder Fairness, sondern entlang von Angebot und Nachfrage.
Entscheidend ist deshalb die Marktstruktur. Wo ist die Nachfrage am gössten und das Angebot am kleinsten?
Nach dem Wegfall der Credit Suisse haben wir ein Segment identifiziert, in dem die UBS eine starke Stellung hat: mittelgrosse bis grosse Unternehmen mit komplexen Kreditbedürfnissen.
Dort ist die Konkurrenz gering. Entsprechend hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kosten in diesem Segment überwälzt werden. Oder aber beim Personal, dort drückt schon KI.
Weniger hingegen im Hypothekargeschäft, dort ist die nationale Konkurrenz gross. Weniger im internationalen Geschäft, dort ist die globale Konkurrenz stark. Das ist keine Emotion. Das ist Marktlogik.
Wie stark die Überwälzung ausfällt, bleibt offen. Genau deshalb braucht es Szenarien. Und genau deshalb sollte man sich deren Konsequenzen anschauen. Ohne Emotionen, sondern mit Logik. Nur so kann ein Entscheid gefällt werden.
