Eine von uns im Auftrag des Staatssekretariat für Wirtschaft durchgeführte Studie zeigt mittels Umfragen und Interviews kein flächendeckendes Versagen des Bankenmarkts (LINK).
Standarddienstleistungen funktionieren weiterhin. Wettbewerb existiert.
Aber: Relevant sind nicht die Durchschnittswerte, sondern die Ränder.
Engstellen zeigen sich dort, wo Bankdienstleistungen
- hohe Risikofähigkeit verlangen,
- bilanzintensiv sind,
- spezialisiertes Know-how benötigen
Genau in jenen Segmenten, in denen die CS traditionell eine tragende Rolle hatte.
Wo sich die Verschlechterungen konzentrieren
Unternehmen – insbesondere ehemalige CS-Kunden – berichten vor allem in drei Bereichen von Veränderungen:
Substanzielle Firmenkredite
Massgeschneiderte Kredite im zweistelligen Millionenbereich. Höhere Preise, geringere Verfügbarkeit. Qualität bleibt, Kapazität wird knapper.
Strukturierte Konsortialfinanzierungen
Weniger Banken sind bereit, Lead-Rollen und Hauptrisiken zu übernehmen. Syndizierung funktioniert, aber enger.
Emissionsgeschäft in Schweizer Franken
Punktuell reduzierte Auswahl, tendenziell höhere Kosten.
Bei den Pensionskassen tritt Global Custody hinzu: weniger Anbieter, nicht schlechtere Leistung.
Wer springt in die Bresche?
Fragt man nach einer Ersatzbank für die CS, ist die Antwort eindeutig.
Die UBS wird in nahezu allen relevanten Segmenten als geeignetste Alternative eingestuft – teils als einzige. Kantonalbanken schneiden bei klassischen Firmenkrediten gut ab, verlieren aber bei Komplexität und Volumen deutlich an Boden. Auslandsbanken bleiben selektiv und fokussieren auf Nischen.
Das ist eine reine Marktbeobachtung, erfragt bei 1’100 CFOs von mittelgrossen Unternehmen und bei Pensionskassen.
Zu den Gründen, die gegen einen Markteintritt oder weiteres Engagement von anderen Banken als UBS führen, haben wir Kantonalbanken und Auslandsbanken befragt.
Warum Alternativen nicht nachrücken
Die Studie identifiziert keine regulatorischen Blockaden. Die Hürden sind ökonomisch:
- Strategische Überlegungen, hohe Fixkosten und die kleine Marktgrösse begrenzen den Markteintritt generell.
- Politische Vorgaben und teilweise die Bilanzgrösse schränken den Handlungsspielraum der Kantonalbanken ein.
- Bei Auslandsbanken wirken die starke Marktstellung etablierter Anbieter sowie fehlende CHF-Einlagen als zusätzliche Bremsfaktoren.
- Hinzu kommt eine ausgeprägte Kundenpräferenz für etablierte heimische Anbieter.
Das Resultat ist ein stabiler, aber wenig dynamischer Markt.
Ein funktionierender Markt – mit Schieflage, wie die Momentaufnahme zeigt.
Der Schweizer Bankenplatz funktioniert. Was fehlt, ist Redundanz in bestimmten, für Innovation zentralen Finanzierungsfunktionen.
Das ist kein akutes Stabilitätsproblem. Aber ein strukturelles. Innovation braucht einen Finanzplatz, der Risiken eingehen kann. Und Risiken verteilt man am besten auf mehrere Schultern.
Teil III wird sich der Konsequenz widmen:
Was bedeutet diese Konzentration langfristig – für Wettbewerb, Innovation und wirtschaftliche Resilienz?
