Vorletzte Woche hat mein Kollege Michael Grass im BAK-Blog erstmals belastbare Zahlen dazu veröffentlicht, wie sich Künstliche Intelligenz (KI) auf den Arbeitsmarkt in der Schweizer Industrie auswirkt (LINK: WIE KI DEN ARBEITSMARKT VERÄNDERT).
Für mich als Ökonom ist das Thema KI doppelt spannend: Einerseits wegen der Frage, wie sich Wirtschaft und Arbeitsmarkt verändern werden. Andererseits auch, weil ich mich frage, ob es meinen Beruf in ein paar Jahren überhaupt noch geben wird.
Aus Eigennutz und Interesse verfolge ich die Entwicklungen deshalb möglichst genau.
Hier meine bisherigen, subjektiven Erkenntnisse:
KI wird die Welt verändern.
Das Ausmass ist schwer zu prognostizieren – aber die Richtung ist klar.
Einige Jobs werden verschwinden.
Doch wie die Steinzeit nicht endete, weil es keine Steine mehr gab, wird uns die Arbeit auch mit KI nicht ausgehen. Neue Tätigkeiten werden entstehen.
Am stärksten verändern sich die individuellen Arbeitsprozesse.
Ähnlich wie beim Internet: Viele von uns arbeiten weiterhin in denselben Branchen, aber völlig anders als früher. Wer kann sich heute noch ein Arbeiten ohne Google oder E-Mail vorstellen? (Nebenbei: Wo sind eigentlich die Produktivitätsgewinne des Internets geblieben?
KI ist im Kern Statistik.
Das trockene Rüstzeug aus dem VWL-Studium ist damit aktueller denn je. Begriffe wie „Bias“ oder „Sample Selection“ sind zentral, wenn KI sinnvoll eingesetzt werden soll. Prompten und Daten durchwühlen reicht nicht aus.
Nur gute Fragen führen zu guten Antworten.
KI ist ein Sparringpartner – aber die Zielsetzung muss von uns Menschen kommen.
Die Entwicklung ist rasant.
Das darf aber keine Ausrede sein, um abzuwarten. Auch wenn KI noch viele Schwächen hat, lohnt es sich, bereits jetzt Zeit darin zu investieren. Bewährte Konzepte wie „Planen in Varianten“ oder der „vorbehaltene Entschluss“ bleiben dabei weiterhin gültig.
Wer KI nutzt, braucht auch ein Risikomanagement.
Faszination allein reicht nicht – ethische Fragen, Qualitätssicherung und Transparenz gehören ebenfalls auf die Agenda.
KI als Hilfe ansehen, nicht als Konkurrenz.
KI nimmt uns das «Entscheiden» nicht ab.
KI kann uns zum Teil ersetzen, es hat aber vor allem das Potenzial, uns besser zu machen
Wir müssen besser werden in den Bereichen, in welchen die Maschine nicht gut ist (Intuition, Kreativität, etc.)
KI hat keinen Humor.
Vielleicht das wichtigste Argument, weshalb der menschliche Austausch unersetzlich bleibt.